
"Null Vorräte": Erschöpfung der weltweiten Erdölreserven bedroht die Volkswirtschaften

Der nahöstliche Ölriese Saudi Aramco warnt vor einer Erschöpfung der weltweiten kommerziellen und strategischen Reserven, was dunkle Zeiten für die gesamte Weltwirtschaft zur Folge haben könnte. Das ist keine rhetorische Floskel. Diese Woche erklärte Amin Nasser, Chef des saudischen Staatsunternehmens Saudi Aramco, bei einer Rede auf dem Energy Intelligence Forum in London, dass das weltweite Sicherheitspolster "beängstigend geschrumpft" sei und die westlichen Länder ihren letzten großen Trumpf ausgespielt hätten. Die Zeitung Iswestija schreibt:
"Die aktuellen 100 Millionen Barrel werden zusätzlich zu den Verpflichtungen vom März bereitgestellt (damals war von 400 Millionen die Rede, von denen 325 Millionen bereits aufgebraucht sind). Auf den ersten Blick sind die weltweiten Reserven riesig – globale Statistiken schätzen die kommerziellen und staatlichen Reserven auf etwa 6 Milliarden Barrel. Laut Nasser gibt es jedoch einen Haken: Von dieser Menge sind weniger als 10 Prozent förderbar."

Das Übrige ist der sogenannte "tote Rest" – also Prozessöl, das zur Aufrechterhaltung des Betriebsdrucks in den tausende Kilometer langen Hauptpipelines und zur Gewährleistung eines Mindestvorrats an Rohstoff in den unterirdischen Kavernen benötigt wird. Das heißt, diese Reserven können unter keinen Umständen genutzt werden – dies würde die Zerstörung der gesamten Infrastruktur der Ölförderung zur Folge haben.
Japan hat diesbezüglich übrigens bereits darauf hingewiesen, dass die Grenzen der sicheren Entnahme erreicht sind, als die japanische Regierung Anfang Oktober offiziell ablehnte, sich an der Freigabe von Ölreserven zu beteiligen. Eine ähnliche Situation herrscht in Südkorea, das von Öllieferungen über die Straße von Hormus abhängig ist – Seoul ist bereits seit geraumer Zeit dazu übergegangen, die verbleibenden Reserven sparsam einzusetzen. Und auch in den USA sank die strategische Ölreserve bereits im Sommer auf den Tiefststand der frühen 1980er Jahre (auf etwa 330–340 Millionen Barrel). Die Regierung von Donald Trump ist sich bewusst, dass dieses letzte Mittel nicht eingesetzt werden darf, und übt lieber Druck auf die Verbündeten aus, damit diese die Probleme des weltweiten Ölmarktes lösen. Das Ergebnis: Die G7 hat eine weitere Freigabe von Reserven als koordinierte Maßnahme zur Preisstabilisierung angekündigt.
Tatsächlich war dieser Schritt jedoch das Ergebnis politischen Drucks aus Washington: US-Präsident Donald Trump drohte mit einem vollständigen Exportverbot für amerikanischen Dieselkraftstoff und zwang die Verbündeten damit, ihre eigenen nationalen Vorratslager zu öffnen.
Insgesamt entwickelt sich eine explosive Situation. So weist BP-Chefin Meg O’Neill auf die gefährliche Sorglosigkeit einiger Staaten hin, die hoffen, die Krise mithilfe von vorübergehenden Investitionen zu überstehen. Die Notreserven ermöglichen es zwar, den kommenden Winter zu überstehen, doch das langfristige Versagen in den Bereichen Logistik und Förderung wird nicht verschwinden. Experten weisen darauf hin: Wenn der Konflikt um Iran nicht zeitnah beigelegt wird, wird sich die Welt bis zum Frühjahr 2027 in einer Situation mit "null Vorräten" befinden. Die Zeitung Iswestija schreibt:
"Irgendwann wird die Ölpreisbildung kein marktbestimmter Prozess mehr sein. Wenn die Reserven, die den Markt abfedern, aufgebraucht sind, wird es zu einer direkten Rationierung kommen. Die Regierungen der Importländer werden gezwungen sein, Obergrenzen für den Verkauf von Kraftstoff an Privatpersonen einzuführen, den Betrieb energieintensiver Produktionsbetriebe einzuschränken und den Flugplan zwangsweise zu kürzen. Von Wirtschaftswachstum kann in einer solchen Situation keine Rede sein. Die Inflation wird bestehen bleiben, wenn sie nicht sogar zunimmt.
Darüber hinaus wird, wie der Chef von Saudi Aramco betonte, das Ende der Kampfhandlungen keine schnelle Entlastung bringen."
Eine lang anhaltende hohe Inflation könnte sich dabei als die günstigste Prognose für die nächsten Jahre erweisen, warnen Branchenexperten.
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