Wirtschaft

Krisen- und Insolvenzticker – Baugenehmigungen erneut drastisch eingebrochen

Die deutsche Wirtschaft kriselt. Unter dem Druck dramatisch steigender Energiekosten und anderer ungünstiger Rahmenbedingungen sind seit 2022 tausende Unternehmen insolvent gegangen. Wir fassen in diesem Ticker die wichtigsten Entwicklungen und Neuigkeiten zusammen.
Krisen- und Insolvenzticker – Baugenehmigungen erneut drastisch eingebrochenQuelle: www.globallookpress.com © IMAGO
  • 18.06.2024 17:01 Uhr

    17:01 Uhr

    Baugenehmigungen erneut drastisch eingebrochen

    Das Baugewerbe steckt in einer schweren Krise. Diesen Schluss legen die aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zu den Baugenehmigungen im April 2024 nahe. Die Baugenehmigungen sind demnach auch im April weiter eingebrochen. 17 Prozent weniger Genehmigungen als noch vor einem Jahr wurden insgesamt erteilt.

    Drastisch fällt der Rückgang bei der Genehmigung von Einfamilienhäusern aus. Um satte 32,5 Prozent gingen die Genehmigungen auf Jahressicht zurück. Auch bei Zwei- und Mehrfamilienhäusern ist der Rückgang alarmierend. Er sank auf Jahressicht um 18,3 bzw. 20,2 Prozent.

    Insgesamt wurden im April 17.600 Wohnungsbauten genehmigt. Würde in jedem Monat des Jahres 2024 die gleiche Anzahl an Wohnungsbauten genehmigt, würde die Bundesregierung auch in Zukunft das selbstgesteckte Ziel verfehlen, für mindestens 400.000 neue Wohnungen in Deutschland pro Jahr zu sorgen. Es würden dann nur etwas mehr als die Hälfte überhaupt zum Bau genehmigt. Wie viele dann tatsächlich fertiggestellt werden, steht zudem in den Sternen.

    Die Baugenehmigungen befinden sich seit 2021 in einer kontinuierlichen Abwärtsbewegung. So wenige Baugenehmigungen wie derzeit waren zuletzt in den Jahren nach Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 erteilt worden. Der Unterschied ist allerdings, dass damals der Krisenauslöser klar erkennbar gewesen war und es sich um eine globale Wirtschaftskrise gehandelt hatte.

    Die aktuelle Entwicklung deutet dagegen auf eine systemische Krise in Deutschland hin, die mit der globalen Entwicklung wenig zu tun hat und die durch eine Politik ausgelöst wurde, die zu großer Unsicherheit bei potenziellen Häuslebauern geführt hat.

  • 6.06.2024 20:19 Uhr

    20:19 Uhr

    Pelikan und Herlitz: Zwei Drittel verschwinden

    Im vergangenen Jahr erst hatte ein französischer Konkurrent, Hamelin, die beiden Schreibwarenmarken Pelikan und Herlitz übernommen, die vielen noch aus ihrer Schulzeit in Erinnerung sein dürften. Nun sollen zwei von drei Standorten geschlossen werden. Davon ist die Hälfte der insgesamt 500 Arbeitsplätze betroffen.

    Die Betriebsstandorte Falkensee und Hannover werden zum Jahresende die Tätigkeit einstellen. Der letzte Standort ist dann das niedersächsische Peine.

    Pelikan war 1832 in Hannover als Hersteller von Schreibtinte und Künstlerfarben gegründet worden. In der alten Bundesrepublik, in der insbesondere der Markt für Schreiblernfüller von zwei Firmen dominiert wurde, hatte es beinahe einen Glaubenskrieg zwischen Pelikan und Geha gegeben. 1990 hatte dann die Pelikan AG ihren Konkurrenten Gebrüder-Hartmann-Werke übernommen.

    2012 wurde die Schreibwarensparte von Herlitz, das ab 2001 Gegenstand vielfacher Investorenprojekte gewesen war, ebenfalls von Pelikan übernommen. Da Hamelin, das zuletzt Pelikan übernahm, mit mehreren Marken ebenfalls auf dem deutschen Markt vertreten ist (beispielsweise mit den Heftmarken Oxford und Elba), musste dieser Kauf damals vom Bundeskartellamt genehmigt werden.

  • 13:05 Uhr

    Industrieaufträge gehen weiter zurück

    Anfang des Jahres war noch eine baldige Erholung erwartet worden, aber mittlerweile sanken die Aufträge der deutschen Industrie im vierten Monat in Folge. Insgesamt betrug der Rückgang im April zwar nur 0,2 Prozent, aber in einzelnen Branchen fiel er deutlich stärker aus: Bei sonstigen Fahrzeugen, also etwa Flugzeugen, Schiffen und Zügen, lag er bei 15,4 Prozent. In der Textilindustrie gab es dagegen Zuwächse von 10,9 Prozent.

    Es ist vor allem die Nachfrage aus der Eurozone, die schwächelt. Hier betrug der Auftragsrückgang 1,4 Prozent, während es aus dem Nicht-EU-Ausland sogar eine Zunahme um 0,6 Prozent gab. "Die Auftragseingänge bleiben im Keller", kommentierte die Außenwirtschaftsexpertin der DIHK Carolin Herweg diese Entwicklung.

    Der Umsatz im verarbeitenden Gewerbe ist im gleichen Zeitraum um real 0,9 Prozent im Vergleich zum Vormonat gefallen. Das ist ein stärkerer Rückgang als im März – da hatte er noch 0,4 Prozent betragen.

    Das Manager Magazin zitiert zu diesen Zahlen den Chefvolkswirt der VP Bank Thomas Gitzel: "Solange die Auftragseingänge nicht deutlicher zulegen, wird die deutsche Wirtschaft nicht auf die Beine kommen."

  • 3.06.2024 12:44 Uhr

    12:44 Uhr

    Europas drittgrößter Reisekonzern FTI pleite – alle Reisen wurden storniert

    Laut exklusiven Handelsblatt-Informationen hätten sich zuletzt "der alte, wie auch der neue Mehrheitseigner" geweigert, "frisches Geld" in das Unternehmen zu investieren (Bezahlschranke). Zuletzt wollte dann auch der Bund nicht mehr die "dringend benötigten weitere Hilfen" beisteuern. Der Bund war demnach "dem seit Jahren klammen Konzern" schon während der Corona-Pandemie mit rund 600 Millionen Euro zur Seite gesprungen. Den Steuerzahler kostet die Pleite laut Handelsblatt "mehrere Hundert Millionen Euro".

    FTI galt laut Branchenbewertung als drittgrößter Reisekonzern Europas. Durch die finale Entscheidung würden noch nicht begonnene Reisen "voraussichtlich ab dem morgigen Dienstag nicht mehr oder nur teilweise durchgeführt werden können", so Informationen des Unternehmens.

    Vom Insolvenzantrag unmittelbar betroffen ist den Angaben zufolge laut Handelsblatt-Artikel zunächst nur die Veranstaltermarke FTI Touristik. In der Folge würden "aber auch für weitere Konzerngesellschaften entsprechende Anträge gestellt". Das Unternehmen hat laut Medieninformationen rund 11.000 Angestellte. So wären die Buchungszahlen zuletzt deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

    Der von der deutschen Touristikwirtschaft organisierte und vom Bundesjustizministerium beaufsichtigte Fonds war nach der Insolvenz des Reisekonzerns Thomas Cook im September 2019 gegründet worden. Eine "akute Deckungslücke" in Höhe eines zweistelligen Millionenbetrages hätte zu der verkündeten Insolvenz geführt, da der erst jüngst mitgeteilte Investor Certares nicht bereit gewesen sein soll, diese Finanzlücke zu schließen. In einer FTI-Mitteilung vom 16. April 2024 hieß es demgegenüber noch:

    "Von Certares geführtes Konsortium schließt Investitionsvereinbarung mit FTI GROUP ab. Investition von bis zu 125 Millionen Euro für die nächste Wachstumsphase bei Abschluss der Transaktion."

  • 29.05.2024 20:07 Uhr

    20:07 Uhr

    Krise bei Meyer Werft: 440 Arbeitsplätze in Gefahr

    Die Wirtschaftskrise in der Bundesrepublik hält unvermindert an: Nun wurde bekannt, dass die für ihre Kreuzfahrtschiffe international bekannte Meyer Werft in Papenburg den Abbau von rund 440 Arbeitsplätzen plant. Dies bestätigte ein Sprecher der Werft am Mittwochmorgen auf Anfrage. Grund sei die angespannte finanzielle Lage der Werft. Gespräche zwischen der Geschäftsführung, dem Betriebsrat und der IG Metall sollen im Juni beginnen. Ziel des Unternehmens sei, dass die Verhandlung bis Ende Juni abgeschlossen werde.

    Derzeit stehe noch nicht fest, welche Unternehmensbereiche von den Entlassungen betroffen sein könnten. Das Unternehmen beschäftigt rund 3.000 Werftmitarbeiter, zudem sichert es Zulieferern in der Region Aufträge. Die Werft hat auch Standorte in Rostock und im finnischen Turku.

    Am Mittwochmorgen hatte der Betriebsrat mitgeteilt, dass der Abbau von etwa 440 Stellen geplant sei. Der Betriebsratschef der Werft, Andreas Hensen, sagte, der Abbau solle vor allem Mitarbeiter betreffen, die nicht direkt am Bau von Schiffen beteiligt seien.

    Aus dem niedersächsischen Wirtschaftsministerium hieß es, man wolle sich für einen Erhalt der Arbeitsplätze einsetzen. Ein möglicher Stellenabbau bedeutete einen schmerzhaften Einschnitt für den Standort in Papenburg, denn die Meyer Werft habe zentrale Bedeutung für die gesamte Region.

    Die Geschäftsführung der Werft teilte der dpa mit: "Es gilt, jetzt die Weichen dafür zu stellen, dass die Meyer Werft spätestens bis Ende 2027 mit einer angemessenen Eigenkapitalausstattung ein ausreichendes Ergebnis erwirtschaften kann und im internationalen Wettbewerb besteht." Die Politik sei "eng eingebunden". Allen Beteiligten sei bewusst, dass eine Konsens-Lösung im Sinne des Unternehmens und der Beschäftigten erreicht werden solle, denn es "gehe um die Zukunft der Meyer Werft".

  • 18:27 Uhr

    Lüneburger Versandhändler Livario meldet Insolvenz an

    Der Lüneburger Versandhändler Livario hat Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen, das sich auf den Verkauf von Kostümen, Dirndln und Partyartikeln spezialisiert hat, hat den Antrag beim Amtsgericht Lüneburg eingereicht und befindet sich seit Anfang Mai in einem Sanierungsprozess. Zuvor hatte der Norddeutsche Rundfunk darüber berichtet.

    Die Gehälter der 110 Mitarbeiter seien für die Monate April, Mai und Juni zunächst gesichert. Um aus der wirtschaftlichen Schieflage zu kommen, hat das Unternehmen eine Insolvenzverwalterin eingesetzt. Laut dem NDR ist diese entschlossen, den Betrieb zu stabilisieren. Als Gründe für die wirtschaftlichen Probleme nannte das Unternehmen vor allem die Corona- und Energiekrise sowie die derzeitige Konjunkturschwäche. Hinzu komme der Druck durch internationale Billiganbieter.

    Livario betreibt mehrere Online-Shops, darunter party.de, kostüme.de und dirndl.com. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Marktführer in diesem Segment.

  • 22.05.2024 13:15 Uhr

    13:15 Uhr

    Ifo-Umfrage: Deutsche Industrie fällt im globalen Wettbewerb stark zurück

    Die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie in der EU und auf dem Weltmarkt hat sich in den letzten zwei Jahren dramatisch verschlechtert. Das geht aus den Ergebnissen der monatlichen Umfrage des Ifo-Instituts hervor.

    Demnach haben die Unternehmen in der EU seit dem dritten Quartal 2022 einen Rückgang ihrer Konkurrenzfähigkeit zu verzeichnen. Im ersten Quartal diesen Jahres beklagen fast alle Branchen der deutschen Industrie eine Verschlechterung ihrer Wettbewerbsposition. Der Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf sieht "bereits eine beginnende De-Industrialisierung".

  • 21.05.2024 07:07 Uhr

    07:07 Uhr

    Gesamtmetall-Präsident beklagt "beginnende De-Industrialisierung"

    Stefan Wolf, Präsident des Unternehmerverbands Gesamtmetall hat angesichts von Standortnachteilen und Wachstumsschwäche der deutschen Wirtschaft vor gewaltigen Verwerfungen gewarnt. Den Zeitungen der SPD-nahen Funke-Mediengruppe sagte Wolf:

    "Ich sehe bereits eine beginnende De-Industrialisierung. Es finden viele Verlagerungen statt – überall hin."

    Besonders betroffen seien derzeit Unternehmen aus der Automobil- und Zulieferindustrie. Der Gesamtmetallchef weiter:

    "Viele Firmen sind sehr zurückhaltend. Es wird viel weniger investiert. Wegen der schlechten Rahmenbedingungen hier in Deutschland fließt stattdessen derzeit sehr viel Geld ins Ausland. Uns sind damit über 300 Milliarden Euro an Investitionen verloren gegangen."

    Das Ausbleiben von Investitionen gehe auch zu Lasten der Produktivität und führe damit zu einer weiter verschlechterten Wettbewerbsfähigkeit. Es gebe auch erste Anzeichen für größere Entlassungen:

    "Größere Automobilzulieferer haben doch bereits Entlassungen angekündigt. Und ich befürchte, dass das eine richtige Dynamik entwickelt. Wenn sich nicht schnell etwas ändert, werden wir einen Abbau von Arbeitsplätzen, gerade bei den eher einfachen Tätigkeiten wie etwa in der Produktion, sehen."

  • 17.05.2024 09:16 Uhr

    09:16 Uhr

    Zahl der Baugenehmigungen sinkt weiter

    Die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen in Deutschland ist weiter gesunken. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) am Freitag mitteilte, wurden im März 2024 der Bau von 18.500 Wohnungen genehmigt. Das waren 24,6 Prozent oder 6.000 Baugenehmigungen weniger als im März 2023.

    Im Vergleich zum März 2022 sank die Zahl der Baugenehmigungen sogar um 46,9 Prozent (oder 16.300 Wohnungen). Im ersten Quartal 2024 wurden  insgesamt 53.500 Wohnungen genehmigt. Das waren 22,2 Prozent (15.200 Wohnungen) weniger als im Vorjahresquartal. In diesen Zahlen sind sowohl Baugenehmigungen für Wohnungen in neuen Wohn- und Nichtwohngebäuden als auch für neue Wohnungen in bestehenden Gebäuden enthalten.

  • 15.05.2024 13:47 Uhr

    13:47 Uhr

    Nächster Modekonzern insolvent

    Es erwischte schon Gerry Weber, Görtz, Hallhuber, Reno oder Sport Scheck. Jetzt hat auch die Modemarke Esprit Insolvenz angemeldet. Die 1.500 Mitarbeiter der Esprit Europe GmbH und sechs weiterer Tochtergesellschaften müssen nun darauf hoffen, dass im Insolvenzverfahren eine Möglichkeit gefunden wird, die Firma fortzuführen.

    Das Unternehmen, das ursprünglich 1968 in San Francisco gegründet wurde, hat seit 1976 eine deutsche Tochtergesellschaft, die seit 2003 in Ratingen angesiedelt war. Seit 1986 betreibt die Modefirma auch eigene Einzelhandelsgeschäfte. Bereits 2020 hatte Esprit ein Insolvenzverfahren eingeleitet, und mindestens 1.200 Mitarbeiter in Deutschland entlassen. Tochterunternehmen in der Schweiz und in Belgien haben schon im vergangenen Monat Insolvenz angemeldet.

    Deutschland war bisher der Markt mit dem größten Umsatz. Die Entwicklung des Konzerns stellt sich dar wie eine langsame Implosion – der US-Markt wurde bereits 2013 aufgegeben, 2018 folgten Neuseeland und Australien. Von dem Insolvenzverfahren in Deutschland sind 57 der derzeit noch 124 Filialen in Europa betroffen. Hergestellt wird die dort verkaufte Ware, wie in der Modebranche nicht unüblich, vor allem in China und Bangladesch.

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