
Mehr Steuereinnahmen: Russischer Fiskus verschärft Kontrolle der Großunternehmen

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2026 stiegen die Einnahmen aus Steuerprüfungen bei den größten Unternehmen um das 4,4-Fache und erreichten 91 Milliarden Rubel, wie aus Daten der Föderalen Steuerbehörde Russlands hervorgeht. Dies ist das Ergebnis verschärfter Kontrollen. Der Steuerdienst intensivierte die Überwachung der größten russischen Unternehmen – allein die Zahl der Vor-Ort-Prüfungen bei solchen Organisationen stieg im Vergleich zum Vorjahr um 83 Prozent. Die Zeitung Iswestija berichtet:
"Der Anteil der Steuereinnahmen von den größten Steuerzahlern beträgt 54 Prozent. Zu diesen zählt die Steuerbehörde Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über 35 Milliarden Rubel. Unter diesen Konzernen befinden sich Öl- und Gasgiganten sowie Handelsketten. In diesem Segment führt bereits ein geringer Prozentsatz an Schattenwirtschaft zu Verlusten in Höhe von Milliarden Rubel für den Staatshaushalt. Daher ermöglichen die Prüfungen der größten Unternehmen eine schnelle und intensive Auffüllung der Staatskasse, erklärte Alexej Moschkin, Generaldirektor des Zentrums für Steuerhilfe."

Zuvor hatte die Steuerbehörde erklärt, dass im Umgang mit Großsteuerzahlern der Schwerpunkt auf der freiwilligen Erfüllung ihrer Pflichten liege. Doch nun ändert sich die Situation. Die Behörde hat insbesondere die Zahl der Vor-Ort-Prüfungen bei solchen Steuerzahlern um ein Vielfaches erhöht. Dieser Trend ist auch in den Regionen zu beobachten, wie die Steuerberaterin und Partnerin der Anwaltskanzlei VED, Olga Idson, im Gespräch mit Iswestija feststellte. Ihr zufolge gehe es darum, die Prüfung zügig durchzuführen und die Gelder so schnell wie möglich in den Haushalt einzubringen.
Nach Ansicht vieler Experten ist ein weiterer Grund für den Anstieg der Steuereinnahmen die Digitalisierung der Kontrollen. Heute hat die Steuerbehörde einen viel umfassenderen Einblick als früher – einschließlich Informationen zu Vertragspartnerketten, Geldflüssen und Geschäftsvorgängen von Unternehmen. Dabei werden die Kennzahlen zu Umsatz, Rentabilität und Steuerbelastung eines Unternehmens im Vergleich zu den Branchendurchschnittswerten bewertet. Erhebliche Abweichungen können auf die Nutzung illegaler Konstrukte hindeuten – beispielsweise die Unterbewertung der Einkommensbasis, die Aufsplitterung des Geschäftsbetriebs oder die unrechtmäßige Inanspruchnahme von Steuervergünstigungen und Sonderregelungen.
Dabei wird, wie die Finanzbehörde betont, Großsteuerzahlern, die für die Wirtschaft und den Staatshaushalt von Bedeutung sind, dennoch ein gewisser Handlungsspielraum gewährt. So informiert die Behörde die Unternehmen über festgestellte Risiken, bevor sie eine Entscheidung über die Anordnung einer Vor-Ort-Prüfung trifft, damit diese ihren Verpflichtungen auf freiwilliger Basis nachkommen können. Lehnt ein Unternehmen dies jedoch ab, beschließt die Steuerbehörde die Durchführung von Kontrollmaßnahmen vor Ort.
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