
Choreografie-Legende Eifman: "Weltweite Ballettszene steckt in einer tiefen Krise"

Der Name Boris Eifman ist weltweit bekannt – für seine Ballette sind bei Festivals rund um den Globus kaum Karten zu bekommen. Grund dafür dürfte sein, dass er auf experimentelle und mutige Weise klassisches Ballett und zeitgenössischen Tanz verbindet und sich an komplexe Stoffe wagt, die auf der Ballettbühne scheinbar unmöglich umzusetzen sind. Zu seinen Werken zählen Inszenierungen nach Shakespeares "Hamlet", F. Scott Fitzgeralds "Tender Is the Night" und sogar Dostojewskis "Schuld und Sühne". Auf seiner Gastspielreise nach Moskau brachte der Meister ein Ballett über Molière mit – mit all dem Prunk des barocken Frankreichs. Außerdem gab er bekannt, dass im Rahmen seiner Akademie in Sankt Petersburg ein neues pädagogisches Experiment startet.
Nach Ansicht von Eifman steckt die internationale Ballettszene derzeit in einer tiefen Krise. In einem Interview mit der Zeitung Iswestija erklärt er:
"Angesichts der globalen Krise des Balletts ist es unmöglich, sich weiterhin auf die Ausbildungsstandards des vergangenen Jahrhunderts zu stützen, da die tatsächlichen beruflichen Anforderungen moderner Theater darin nicht berücksichtigt werden. Ensembles und Choreografen benötigen dringend eine neue Art von Tänzern, die verschiedene Techniken und Stile sicher beherrschen."

Daher wurde mit Unterstützung der Regierung ein groß angelegtes Bildungsexperiment ins Leben gerufen. Im Mai dieses Jahres unterzeichnete der russische Ministerpräsident Michail Mischustin den Regierungsbeschluss "Über die Durchführung eines Experiments an der Boris-Eifman-Tanzakademie zur Entwicklung, Erprobung und Einführung eines experimentellen Bildungsprogramms für die berufliche Sekundarausbildung im Bereich der Künste mit dem Schwerpunkt Ballettkunst, das in die Bildungsprogramme der allgemeinen Grund- und Sekundarstufe integriert ist".
"Nun ist die Akademie offiziell zum Vorreiter der Reform des russischen Ballettbildungssystems geworden", erklärt Eifman. "Die von uns entwickelte und verabschiedete innovative pädagogische Methodik wurde vom Staat auf höchster Ebene unterstützt, worüber ich mich sehr freue."
Nach Eifmans Vorstellung soll die zukünftige Ballettelite schon von Kindesbeinen an gefördert werden – indem einerseits eine Ausbildung zum "vielseitigen Ballettkünstler" vermittelt wird und andererseits die Integration in den Schulunterricht ermöglicht wird. Das neue Programm soll einen grundlegend neuen Ansatz in der Ausbildung der Künstler schaffen. Es verbindet Allgemeinbildung und berufliche Ausbildung und ermöglicht es den Schülern, ihre technischen Fähigkeiten parallel zum regulären Schulunterricht zu entwickeln. "Ich bin überzeugt, dass die zukünftigen kreativen Vorreiter Russlands, seine Choreografen, unsere Schüler sind", so Boris Eifman abschließend.
Mehr zum Thema ‒ Dostojewski in Tanzform: Legende Boris Eifman zeigt ein Ballett nach "Schuld und Sühne"
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.