
Holocaust-Gedenken: US-Botschafter in Israel teilt KI-Bild

Seit April 2025 fungiert der Republikaner und christliche Zionist Mike Huckabee als US-Botschafter in Jerusalem. Am Abend des 12. Juni 2026 hatte der US-Diplomat ein Bild mit Holocaust-Thematik mit dem Kommentar "This is why Jews say 'Never again.'" ("Deshalb sagen Juden 'Nie wieder'") repostet. Schon am nächsten Morgen hat Huckabee das Bild gelöscht. Es war offenbar KI-generiert, wie zahlreiche X-Nutzer argwöhnten.
Bald klärte eine Community Note unterhalb von Huckabees Post die Leser darüber auf, dass sowohl das Bild als auch die geschilderte Geschichte in historischen Aufzeichnungen nicht dokumentiert seien, und warnte vor der Ausbreitung KI-generierter Fälschungen über den Holocaust.

Der Originalpost wiederum stammte von einem Internetnutzer namens "The Husky", der seinen eigenen Angaben zufolge "Geschichten von Güte, Mut und stillen Wundern aus aller Welt teilen" will, und ist mittlerweile ebenfalls nicht mehr auffindbar.
Einige X-Nutzer hatten jedoch bereits Bildschirmfotos von Huckabees Post angefertigt und geteilt. Sie kritisierten in teils scharfen Worten den mutmaßlichen Rückgriff des US-amerikanischen Diplomaten auf Erzeugnisse der künstlichen Intelligenz bei so einem sensiblen Thema wie dem Holocaust, zumal Huckabee die computergenerierte Herkunft des weitergeleiteten Bildes nicht angegeben hatte.
So wies der Podcaster Mario Nawfal darauf hin, dass gerade Holocaust-Gedenkstätten angesichts solcher sich ausbreitender KI-Fälschungen Alarm schlagen. Nawfals Fazit: "Nicht gerade die beste Methode, um die Erinnerung zu stärken." Der US-amerikanische Online-Influencer DannyKPolitics widmete Huckabees offensichtlichem Fehlgriff sogar einen längeren Beitragsstrang. Der Influencer machte darauf aufmerksam, dass es nicht das erste Mal war, dass sich der US-Politiker bezüglich des Holocaust im Ton vergriffen hatte. Bereits 2015 soll er Medienberichten zufolge angesichts Barack Obamas damaligen Atom-Abkommens mit den Iranern geäußert haben, der demokratische US-Präsident führe die Israelis "zur Tür des Ofens" – gemeint waren offenbar die Türen der Krematorien in den NS-Vernichtungslagern.
Das von Huckabee geteilte Bild soll angeblich die Befreiung des KZs Mauthausen darstellen. Im Hintergrund stehen Lagerbaracken, tote KZ-Häftlinge liegen auf dem Boden. US-amerikanische Befreier stehen herum. Im Vordergrund stützt ein GI den Kopf eines schon stark geschwächten, im Sterben liegenden Häftlings mit seinen Händen ab. Dem beigefügten Text zufolge soll der am Boden Liegende gesagt haben: "Tritt mich nicht, ich bin immer noch ein Mensch."
Sowohl die Geschichte als auch das beigefügte Bild sind in historischen Quellen nicht belegt. Auch die hoch aufgeladene Emotionalisierung spricht für eine spätere Entstehung. Ebenso lässt die Tatsache, dass dieselbe Geschichte woanders mit einer anderen Bebilderung und in Abwandlungen erscheint, auf ein KI-Produkt schließen.
Deutsche und österreichische Gedenkstätten erkennen im Phänomen der sogenannten AI-Slops eine gefährliche Tendenz. Anfang des Jahres forderten sie die Betreiber der Social-Media-Plattformen in einem offenen Brief dazu auf, gegen KI-generierte Holocaust-Verfälschungen konsequent vorzugehen.
Ihre Befürchtung: KI-generierte Inhalte, insbesondere wenn sie nicht als solche gekennzeichnet sind, könnten mittels "Verharmlosung und Verkitschung" die Geschichte verfälschen. Durch die KI änderten sich die Sehgewohnheiten der Nutzer, was zum Anzweifeln authentischer historischer Dokumente führen könne und deren Glaubwürdigkeit untergrabe. Auch die nunmehr von Huckabees Post betroffene Gedenkstätte Mauthausen hatte diesen Appell veröffentlicht.
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