Deutschland

Audi verleiht Mitarbeiter an Rüstungsunternehmen

Jobs in der Rüstungsindustrie gelten seit Zeitenwende und Sondervermögen als Alternative für Arbeitnehmer, die der kriselnden Autoindustrie den Rücken kehren wollen. Zu einer Maßnahme mit Rückkehrmöglichkeit greift nun Audi: Er verleiht sein Personal an Rüstungsfirmen.
Audi verleiht Mitarbeiter an RüstungsunternehmenQuelle: Sputnik © Pavel Bednyakov

Die Krise in der deutschen Automobilindustrie betrifft auch den Ingolstädter Autobauer Audi. Wie die Tagesschau am Donnerstag berichtete, plant der Konzern für das Werk im baden-württembergischen Neckarsulm die Aktivierung der sogenannten "Schlechtwetterklausel". Diese soll bei einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage Einsparungen ermöglichen.

Auch für die bayerische Belegschaft im Ingolstädter Werk hat sich die Audi-Führung etwas ausgedacht. Laut Informationen der Nürnberger Nachrichten will die Konzernleitung das Personal an bayerische Rüstungsfirmen ausleihen. Der befristete Jobwechsel in die Rüstungsindustrie soll freiwillig sein und ein Rückkehrrecht zum Autohersteller beinhalten. Es handelt sich um eine sogenannte Arbeitnehmerüberlassung mit zweijähriger Dauer, bei der die Beschäftigten bei Audi angestellt bleiben und dasselbe Gehalt plus Zuschlag erhalten.

Bei einer internen Jobmesse am 29. Oktober 2026 sollen sich Audi-Mitarbeiter und Wehrtechnik-Produzenten näherkommen. Denn während in der Autoindustrie in den kommenden Jahren Stellen wegfallen, sucht die Rüstungsindustrie Mitarbeiter. Denkbar ist laut Audi die Überlassung von Ingenieuren, Projektmanagern sowie Werkstattpersonal in der Technischen Entwicklung und Qualitätssicherung. Dem Autohersteller zufolge zeigt die Belegschaft großes Interesse an dem befristeten Wechsel in die Rüstungswirtschaft.

Zu den Interessenten an der Arbeitnehmerüberlassung gehören unter anderem der in München-Allach produzierende Panzerbauer KNDS und der MBDA-Konzern, der beispielsweise im oberbayerischen Schrobenhausen Taurus-Marschflugkörper und Patriot-Lenkflugkörper produziert.

Auch eine Tätigkeit bei Airbus ist möglich. Militärisch ist Airbus nach eigenen Angaben in Bayern beispielsweise in Manching tätig, wo es im Eurofighter-Programm involviert und für die Wartung der deutschen Tornado-, Eurofighter- und A400M-Flotte sowie der E-3A-AWACS-Flotte der NATO zuständig ist. Auch eine Forschungsstelle im Bereich unbemannter Flugsysteme, beispielsweise zur Eurodrone, existiert in Manching.

Das Familienunternehmen Diehl wiederum hat seinen Hauptsitz in der mittelfränkischen Großstadt Nürnberg. Das Tochterunternehmen Diehl Defence unterhält in Nürnberg und Umgebung wichtige Produktions- und Entwicklungsstätten. Diehl Defence ist der Hersteller des Luftabwehrsystems IRIS-T, das im Ukraine-Krieg eine bedeutende Rolle spielt.

Die bayerischen Diehl-Werke bauen in Zusammenarbeit mit anderen Rüstungskonzernen unter anderem Spike-Lenkflugkörper und die Suchzündermunition SMArt 155 sowie Batterien für wehrtechnische Anwendungen (in Röthenbach an der Pegnitz), außerdem über die Joint-Venture-Unternehmen PARSYS GmbH in Schrobenhausen und RAM-System GmbH in Ottobrunn die Panzerabwehrrakete PARS 3 LR für den Bundeswehr-Kampfhubschrauber Tiger beziehungsweise das maritime Flugabwehrsystem RAM.

Angesichts des derzeitigen Rüstungsbooms kann etwa Diehl Defence 400 offene Stellen vermelden, allein 100 davon im mittelfränkischen Röthenbach an der Pegnitz. Genaue Auskünfte bezüglich der Verwendung der Audi-Belegschaft wollte die Rüstungsfirma den Nürnberger Nachrichten nicht erteilen. Sie erklärte lediglich, dass sich die Fachleute aus der Autobranche gemäß ihrer Qualifikation und Berufserfahrung an verschiedenen Stellen bewerben könnten.

Audi gibt sich hocherfreut über das Interesse an der Arbeitnehmerüberlassung. "Mitarbeitende gewinnen neue Entwicklungsperspektiven, Partnerunternehmen erhalten Zugang zu dringend benötigtem Fachkräfte-Know-how und die regionale Wirtschaft profitiert von einer stärkeren Vernetzung von Kompetenzen und Beschäftigung", erklärte eine Audi-Sprecherin den Nürnberger Nachrichten.

Die Teilnahme der Bundesagentur für Arbeit und des Bundeswirtschaftsministeriums sowie des bayerischen Wirtschaftsministeriums deutet darauf hin, dass man in dem Ingolstädter Projekt durchaus ein Zukunftsmodell sieht. Die Transformation des Autostandorts Deutschland in einen hoch militarisierten Rüstungsstandort scheint kein Ende zu nehmen.

Mehr zum Thema ‒ Kampf um VW: Alle Tarifverträge gekündigt

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.