Deutschland

Bildungswesen: Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss wieder auf Rekordhoch

Hiobsbotschaften aus dem Bildungswesen ist man in Deutschland mittlerweile gewohnt. Die neueste bezieht sich auf die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss, die wieder neue Höchststände erreicht. Zuletzt war sie vor 20 Jahren so hoch.
Bildungswesen: Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss wieder auf Rekordhoch© Urheberrechtlich geschützt

Im Schuljahr 2024/25 erreichte die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss den höchsten Wert in den vergangenen 20 Jahren: Er liegt mittlerweile bei 8,4 Prozent. Zuletzt lag der Wert 2003/04 auf vergleichbarer Höhe, bei 8,9 Prozent. 65.000 Jugendliche gingen ohne Abschluss von der Schule ab.

Schon 2023 zeichnete sich die Tendenz ab – damals waren es 56.000 Jugendliche oder 7,2 Prozent. Dabei dürften auch in diesem Jahr einige Charakteristika zutreffen, die in der Bildungsforschung bereits seit zwei Jahrzehnten bekannt sind: Es sind mehr männliche als weibliche Schüler; 2023 waren nur 39,6 Prozent der Betroffenen Mädchen. Und es sind deutlich mehr ausländische Jugendliche als Deutsche; 2023 lag die Quote bei den Deutschen bei sechs Prozent, bei Jugendlichen mit ausländischer Staatsbürgerschaft bei 13,8 Prozent. Der dritte, in Deutschland besonders wirkungsvolle Faktor ist der Bildungsabschluss der Eltern.

Etwa 40 Prozent der Jugendlichen ohne Abschluss haben eine Förderschule besucht. Das dortige Schulabgangszeugnis wird nicht als Abschluss gezählt. Allerdings ist die Zahl der Förderschüler in den letzten zehn Jahren durch die Inklusionspolitik zurückgegangen.

In den meisten anderen europäischen Ländern ging die Zahl Jugendlicher ohne Abschluss zuletzt zurück. Auch bei der europäischen Statistik über die Zahl der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24, die nach dem untersten Schulabschluss keine weitere Ausbildung erhalten, liegt Deutschland mit 13,1 Prozent weit über dem EU-weiten Schnitt von 9,1.

Zuletzt hatte der neueste PISA-Bericht auf die Defizite der deutschen Bildungspolitik aufmerksam gemacht. Bei dem Test, der dem Bericht zugrunde liegt und der in allen OECD-Ländern durchgeführt wird, erreichten 32 Prozent der 15-Jährigen bei der Lesekompetenz nicht einmal Kompetenzstufe 2, die als Minimum für die Möglichkeit einer Ausbildung gilt. Hier lag der Wert im Jahr 2000 noch deutlich niedriger, 23 Prozent scheiterten an dieser Stufe. Das lässt befürchten, dass der Anteil der Jugendlichen ohne Abschluss auch im kommenden Jahr weiter steigen wird.

Die Bundesregierung beabsichtigt, das Problem über eine gesonderte Förderung für Schulen mit besonders vielen Kindern mit Lernschwierigkeiten oder aus armen Familien zu lösen. Außerdem sollen Sprachtests in den Kitas eingeführt werden. Allerdings ist bereits seit Jahren bekannt, dass Sprachprobleme ein entscheidender Grund beim schulischen Scheitern sind, aber die Gegenmaßnahmen haben bisher nicht gegriffen.

Kai Maaz, Direktor des Leibniz-Instituts für Bildungsforschung und Bildungsinformation, wundert sich über diese Resultate nicht: "Wir sehen seit Jahren, dass immer mehr Jugendliche grundlegende Kompetenzziele verfehlen. Der Anstieg der Schulabgänge ohne Abschluss passt zu dieser Entwicklung", meinte er zur dpa. "Schulen mit vielen sozial benachteiligten Kindern brauchen bessere Bedingungen, um grundlegende Kompetenzen zu sichern."

Politische Absichtserklärungen, die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu senken, gab es viele. Gleichzeitig gibt es eine zunehmende Diskrepanz zwischen besseren Notendurchschnitten in den Abschlusszeugnissen und schlechteren Ergebnissen in Kompetenztests, die nahelegen, dass die Anforderungen für Abschlüsse weithin gesenkt wurden. Das bedeutet, dass eine Quote von Schulabgängern ohne Abschluss von mehr als acht Prozent heute noch weitaus alarmierender ist, als sie es vor 20 Jahren war.

Diese Zahlen kamen jetzt wieder ins Gespräch, weil das BSW sie beim statistischen Bundesamt angefordert hatte. Sahra Wagenknecht meinte dazu, das Land der Dichter und Denker dürfe nicht immer mehr zum Land der Schulabbrecher und Unausgebildeten werden, und meinte, so viele Schulabgänger ohne Abschluss seien "staatlich organisierter Fachkräftemangel".

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