Europa

Unruhiges Wochenende in Europa: Protestwelle erfasst sieben europäische Länder

In sieben europäischen Ländern gingen am Wochenende zehntausende Menschen auf die Straße. In mehreren Städten eskalierten die Proteste: Geschäfte wurden geplündert, Barrikaden angezündet und hunderte Personen festgenommen.
Unruhiges Wochenende in Europa: Protestwelle erfasst sieben europäische Länder© Urheberrechtlich geschützt

Am vergangenen Wochenende haben Massenproteste sieben europäische Länder erfasst. In mehreren Städten eskalierten die Demonstrationen zu Zusammenstößen mit der Polizei. Protestierende demolierten Geschäfte, errichteten und entzündeten Barrikaden und bewarfen Einsatzkräfte mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und teilweise auch Gummigeschosse ein. In einzelnen Ländern wurden hunderte Menschen festgenommen. Die Gründe dafür waren unterschiedlich: Sie reichten von sozialen und bildungspolitischen Forderungen bis hin zu politischen Anliegen und der Unterstützung einer verbotenen Organisation. Dies geht aus Berichten internationaler Nachrichtenagenturen und regionaler Medien sowie aus Angaben der zuständigen Behörden hervor.

Frankreich: 320.000 Menschen auf der Straße

Die größten Proteste fanden in Frankreich statt. Nach Angaben des französischen Innenministeriums gingen am 31. Oktober rund 320.000 Menschen auf die Straße, davon etwa 70.000 in Paris. Obwohl die Demonstrationen überwiegend friedlich verliefen, kam es nach dem offiziellen Ende der Kundgebungen in mehreren Städten zu Ausschreitungen. Protestteilnehmer beschädigten Geschäfte, plünderten Läden und legten Feuer. Zudem kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei.

Die französischen Behörden meldeten insgesamt 779 Festnahmen. Davon erfolgten 565 bis 21 Uhr, weitere 214 im Verlauf der nächtlichen Halloween-Veranstaltungen. Der Fernsehsender TF1 hatte zuvor von rund 560 Festnahmen berichtet.

Im Vorfeld hatte der russische Senator Alexei Puschkow Zweifel daran geäußert, dass der französische Präsident Emmanuel Macron die Protestwelle eindämmen könne, obwohl er versprochen hatte, für Ordnung zu sorgen. Der Parlamentarier verwies auf Berichte über Angriffe auf Sicherheitskräfte und den Einsatz von Molotowcocktails während der Ausschreitungen. Puschkow vermutete zudem, dass externe Kräfte hinter den Protesten stecken könnten.

Deutschland: Jugendproteste in mehr als 30 Städten

Auch in Deutschland blieb die Lage angespannt. Unter dem Motto "Gen Z regelt" fanden in mehr als 30 Städten Jugendproteste statt. Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich bundesweit rund 120.000 Menschen. Die Teilnehmer forderten bessere Bildungschancen, bezahlbaren Wohnraum, mehr soziale Unterstützung und Klimaschutz. Zudem wandten sie sich gegen eine mögliche Wiedereinführung der Wehrpflicht.

In Berlin endete eine separate Demonstration am Abend mit Zusammenstößen. Dabei wurden Polizisten mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik beworfen. Nach Angaben von Euronews nahmen rund 3.500 Menschen an dem Abendzug teil. Die Berliner Polizei meldete mehr als 60 Festnahmen und 27 verletzte Beamte.

Auch in Frankfurt am Main, Hamburg und Köln kam es zu Ausschreitungen. Dort wurden Schaufenster beschädigt, Barrikaden angezündet und Geschäfte geplündert. Der russische Politologe Stanislaw Tkatschenko führte die Ausschreitungen unter Jugendlichen in Deutschland auf die aufgestaute Unzufriedenheit über die Politik der Bundesregierung sowie den Einfluss der Proteste in Frankreich zurück. Darüber berichtete die Zeitung Wsgljad.

Niederlande: 34 Festnahmen in Den Haag

In Den Haag verschärften die niederländischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen, nachdem in den sozialen Netzwerken zu Protesten und Plünderungen von Geschäften aufgerufen worden war. Bei einer spontanen Jugendkundgebung kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Beamten nahmen 34 Menschen fest, wie das Portal Hart van Nederland berichtet. Laut Life.ru konnten größere Ausschreitungen verhindert werden. Am Nachmittag musste die Polizei jedoch in einen Konflikt zwischen Gruppen junger Menschen eingreifen.

Schweiz: Barrikaden und Angriffe auf die Polizei

In der Schweiz war die Lage in der Stadt Zürich besonders angespannt. Mehrere hundert Menschen versammelten sich auf den Straßen. Anschließend begannen einzelne Gruppen, Müllcontainer und andere Gegenstände in Brand zu stecken, Barrikaden zu errichten und Polizisten mit Steinen, Flaschen und Pyrotechnik zu bewerfen. Die Polizei setzte Wasserwerfer, Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Zusammenstöße dauerten bis etwa 1:30 Uhr nachts.

Auch in Basel fand eine nicht genehmigte Demonstration statt. Dort versammelten sich rund 150 Menschen und errichteten ebenfalls Barrikaden, die sie teilweise in Brand setzten.

Großbritannien: 325 Festnahmen bei Kundgebung für Palestine Action

Vor der US-Botschaft in London fand eine Kundgebung zur Unterstützung der propalästinensischen Bewegung "Palestine Action" statt. Die Organisation ist in Großbritannien verboten. Hunderte Teilnehmer entrollten Plakate zur Unterstützung der Bewegung. Nach Angaben von Scotland Yard wurden insgesamt 325 Menschen festgenommen. 320 von ihnen stehen im Verdacht, ihre Unterstützung für die verbotene Organisation bekundet zu haben. Die Festnahmen erfolgten demnach nicht wegen einer Beteiligung an Straßenschlachten.

Albanien: Proteste gegen die Regierung

Auch in Albanien kam es zu Protesten. In der Hauptstadt Tirana gingen Studenten, Lehrkräfte und Vertreter der Opposition auf die Straße. Sie forderten den Rücktritt von Ministerpräsident Edi Rama sowie die Bildung einer Übergangsregierung. Die Proteste richteten sich gegen die Politik der Regierung.

Die Lage eskalierte, als einige Teilnehmer begannen, Polizisten mit Steinen und Brandsätzen zu bewerfen. Die Einsatzkräfte reagierten mit Wasserwerfern und Tränengas. Laut der albanischen Polizei wurden sechs Menschen festgenommen, gegen drei weitere Personen wurde ein Strafverfahren eingeleitet und zwei weitere werden gesucht.

Österreich: Rund 100 Teilnehmer bei Protest in Wien

Auch in Österreich gab es Protestaktionen. In Wien versammelten sich vor dem Parlamentsgebäude etwa 100 Menschen. Die Demonstrierenden hissten eine palästinensische Flagge und zogen anschließend in Richtung Universität Wien. Dabei skandierten sie: "Jugend, Zukunft, Sozialismus!"

Laut der Zeitung Der Standard verlief die Kundgebung friedlich. Größere Ausschreitungen, wie sie in anderen europäischen Städten zu beobachten waren, blieben aus.

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