Nahost

Bericht: Syrien und Hisbollah führten geheime Gespräche in der Türkei

Vertreter der syrischen Regierung und der libanesischen Hisbollah haben sich in der Türkei zu geheimen Gesprächen getroffen. Ziel war es, die Spannungen zwischen den langjährigen Gegenspielern abzubauen und weitere Konflikte zu verhindern.
Bericht: Syrien und Hisbollah führten geheime Gespräche in der Türkei

Vertreter der syrischen Regierung und der libanesischen Hisbollah haben sich in der Türkei zu direkten Gesprächen getroffen, um die Spannungen zwischen beiden Seiten abzubauen. Das berichtet Reuters am Donnerstag. Es handelt sich demnach um das erste bekannte Treffen zwischen den langjährigen Konfliktparteien.

Die syrischen Vertreter und die mit Iran verbündete Hisbollah sollen sich im vergangenen Monat mindestens einmal im Geheimen getroffen. Die Hisbollah hatte jahrelang Kämpfer nach Syrien entsandt, um während des Bürgerkriegs die Regierung des ehemaligen Präsidenten Baschar al-Assad zu unterstützen.

Nachdem Assad Ende 2024 durch eine überraschende Offensive der Islamisten gestürzt worden war, verschärften sich die Spannungen zwischen der neuen syrischen Regierung und der Hisbollah. Damaskus warf der Gruppe vor, Waffen über syrisches Gebiet zu transportieren. Gleichzeitig drängten die USA das syrische Militär dazu, Truppen in den Libanon zu schicken, um gegen die Hisbollah vorzugehen.

An dem Treffen im vergangenen Monat nahmen Vertreter der Hisbollah sowie syrische Geheimdienstmitarbeiter und Vertreter des Außenministeriums teil. Es fand auf Einladung türkischer Sicherheits- und Nachrichtendienste statt und sollte zur Deeskalation beitragen. Das syrische Außenministerium, die türkischen Außen- und Verteidigungsministerien sowie das US-Außenministerium reagierten zunächst nicht auf Fragen von Reuters zum Treffen. Das Medienbüro der Hisbollah lehnte eine Stellungnahme ab.

Das Treffen soll sich auf die Lösung von Spannungen zwischen beiden Seiten fokussiert haben und "verlief gut". Einer der syrischen Vertreter sagte, beide Seiten hätten sich darauf verständigt, dass sie keine Feindseligkeiten gegeneinander hegten. Syrien habe der Hisbollah zudem versichert, dass es nicht militärisch in den Libanon eingreifen werde, um die Gruppe zu entwaffnen. Im Gegenzug forderten die syrischen Vertreter die Hisbollah auf, bei der Unterbindung des grenzüberschreitenden Schmuggels zu helfen und ihre verbliebenen Schläferzellen aufzulösen, insbesondere in Südsyrien.

Syrien erklärte am Dienstag, mehrere Mitglieder einer mutmaßlichen Hisbollah-Zelle festgenommen zu haben, die Raketenangriffe im Süden des Landes geplant habe. Die Hisbollah wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Sie erklärte, dass sie "überhaupt keine Präsenz" in Syrien habe und dort an keinen Sicherheits- oder Militäroperationen beteiligt sei.

Der syrische Vertreter betonte, die Hisbollah-Delegation habe auf die Forderung, den Waffenschmuggel zu stoppen und ihre in Syrien verbliebenen Zellen aufzulösen, keine direkte Antwort gegeben. Die Gruppe habe jedoch zugesagt, sich nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens einzumischen.

Sowohl die Hisbollah als auch die syrische Regierung hatten signalisiert, dass sie grundsätzlich zu Gesprächen miteinander bereit seien. Nicht an den Gesprächen beteiligt war dagegen der wichtigste Unterstützer der Hisbollah, Iran. Der libanesische Sicherheitsbeamte unterstrich, die Hisbollah habe mit Kenntnis Irans an dem Treffen teilgenommen. Teheran sei jedoch enttäuscht gewesen, nicht direkt beteiligt gewesen zu sein. 

Im Juli hatte der syrische Außenminister Asaad al-Schaibani erklärt, Damaskus sei offen für ein Treffen mit der Gruppe. Einen Monat später sagte Hisbollah-Chef Naim Kassem in einer Fernsehansprache, die Gruppe habe keine Einwände gegen ein Treffen mit der syrischen Führung. 

Die Türkei sieht sich als wichtigen regionalen Akteur beim Wiederaufbau und bei der Stabilisierung Syriens. Unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan versucht Ankara zudem, sich als Vermittler im regionalen Dialog zu positionieren, und ist an einer größeren Stabilität in der Region interessiert.

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