Insgesamt sechs Menschen sind seit Jahresbeginn in der in Sibirien gelegenen Region Krasnojarsk, Russlands zweitgrößter Verwaltungseinheit, zu Opfern von Bären geworden. Dies berichtete am 23. September der Pressedienst des Ermittlungskomitees für die Region Krasnojarsk und die Republik Chakassien.
Nach Angaben der Behörde ereigneten sich die Vorfälle in den Kreisen Jenisseisk, Sosnowoborsk und Jermakowskoje im Süden der Region Krasnojarsk. Zum jüngsten Opfer wurde ein 39-jähriger Holzfäller im Dorf Potapowo im Kreis Jenisseisk, der in der Nacht auf den 23. September von einem Bären getötet wurde. Parallel dazu meldete das stellvertretende Oberhaupt von Chakassien, Dmitri Butschenik, dass Bären aus mehreren Richtungen in die Stadt Abas eingedrungen seien. In der Nacht auf den 23. September wurden zahlreiche Bären aus der 11.000-Einwohner-Stadt vertrieben. Drei besonders aggressive Tiere mussten abgeschossen werden. Butschenik sprach in diesem Zusammenhang von einer "Bärenbelagerung".
Insgesamt ist es in der Region Krasnojarsk zu 123 Begegnungen mit Bären in bewohnten Gebieten gekommen. Das Ermittlungskomitee berichtete:
"Die Bewohner der Region reichten mehr als 120 Meldungen über das Eindringen von Braunbären in die Grenzen von Siedlungen in über 15 Kreisen der Region sowie in den Städten Krasnojarsk, Schelesnogorsk und Selenogorsk ein."
Nach Schätzungen der Behörde sei die Anzahl von Braunbären in der Region Krasnojarsk um das 2,5‑Fache angestiegen und erreiche rund 26.000 Exemplare. Im Zusammenhang mit den jüngsten Angriffen leitete das Komitee ein Ermittlungsverfahren gegen regionale Behörden wegen Fahrlässigkeit ein. In der entsprechenden Begründung heißt es:
"Trotz zahlreicher Warnsignale haben die zuständigen Beamten des regionalen Ministeriums für natürliche Ressourcen und Waldwirtschaft und sonstige zuständige Beamte keine Maßnahmen zur Regulierung der Anzahl von Raubtieren und zur Verhinderung ihres Erscheinens in bewohnten Orten ergriffen."
Insgesamt sind im laufenden Jahr in Sibirien und im russischen Fernen Osten 17 Menschen von Bären angegriffen worden und gestorben – sechs in der Region Krasnojarsk, jeweils drei in den Gebieten Irkutsk und Tomsk, zwei in der Teilrepublik Burjatien sowie jeweils einer in der Teilrepublik Altai, auf Kamtschatka und in der Region Chabarowsk.
Der Biologe Wladimir Gordijenko führte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti die Zunahme der Bärenangriffe auf die steigende Anzahl der Tiere zurück. Er merkte dabei an, dass nicht nur Russland, sondern unter anderem auch die japanische Insel Hokkaido davon betroffen sei. In Russland erreicht die Gesamtzahl der Bären nach den vom Fernsehkanal NTV publizierten Schätzungen knapp 308.000 Exemplare – 2,3‑mal mehr als vor 36 Jahren. Iwan Kirillow, stellvertretender Leiter des Nationalparks "Krasnojarskije Stolby" betonte, dass die Aggressivität der Tiere an sich nicht zugenommen habe. Allerdings würden Bären wegen Nahrungsknappheit in bewohnte Gebiete eindringen, was zur Gefahr werde.
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