Die USA und Russland diskutieren im Rahmen der Ukraine-Friedensverhandlungen über eine mögliche Rückkehr amerikanischer Unternehmen auf den russischen Energiemarkt. Das berichtet die Financial Times am Mittwoch.
Im Gespräch sind die Wiederbelebung eines Öl-Joint-Ventures vor der russischen Pazifikinsel Sachalin sowie die Wiederaufnahme russischer Öllieferungen nach Europa über die Druschba-Pipeline unter Beteiligung US-amerikanischer Ölkonzerne. Die Vorhaben sind Teil einer umfassenderen Initiative Washingtons, mit wirtschaftlichen Anreizen ein Ende des Krieges zu fördern.
US-Sondergesandter Steve Witkoff erörterte mögliche Geschäftsabschlüsse Anfang September bei einem Treffen mit dem Präsidenten Wladimir Putin in St. Petersburg. Moskau sieht in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach Angaben mit den Gesprächen vertrauter Personen eine Möglichkeit, US-Präsident Donald Trump noch vor Kriegsende zu einer Normalisierung der Beziehungen zu bewegen. Washington betont dagegen, dass solche Abkommen Teil einer umfassenden Friedensregelung sein müssten und erst nach dem Ende der Kampfhandlungen umgesetzt werden könnten, hieß es in der FT.
Neben Energiegeschäften stehen weitere Projekte zur Debatte. Dazu zählen die Wiederzulassung von US-Fluggesellschaften im russischen Luftraum sowie eine erneute Zusammenarbeit bei der Produktion und Lieferung von Titan, das für die zivile Luftfahrt wichtig ist. Der Flugzeugbauer Boeing hatte seine Kooperation mit Russland seit dem Ukraine-Krieg ausgesetzt und seine Lieferketten diversifiziert. Die Skepsis der Unternehmen stellt ein weiteres Hindernis dar: Die Rückkehr von ExxonMobil nach Russland gilt als ungewiss: Der Konzern verhandelte über eine Entschädigung für seinen enteigneten Anteil am Projekt Sachalin-1, erklärte jedoch, keine Pläne zur Wiederaufnahme seiner Aktivitäten zu haben.
Die aktuellen Gespräche knüpfen an Vorschläge an, die Steve Witkoff und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner Ende vergangenen Jahres mit Kirill Dmitrijew, Putins Sondergesandtem für Wirtschaftsfragen, im Rahmen der Verhandlungen über einen Ukraine-Friedensplan erörtert hatten. Dmitrijew bezifferte den möglichen Wert der Projekte im Februar auf 14 Billionen US-Dollar.
Der Vorstoß kam jedoch zum Erliegen, nachdem die Ukraine russische Forderungen nach territorialen Zugeständnissen als Vorbedingung für Verhandlungen zurückgewiesen hatte. Nun dränge die Zeit, da der Krieg nicht zum Stillstand komme, erklärte eine mit den Gesprächen vertraute Person gegenüber der FT.
Die USA und Russland diskutierten zudem über den Verkauf internationaler Lukoil-Vermögenswerte an Investoren mit Verbindungen zum Weißen Haus, eine russische Beteiligung an einem LNG-Projekt in Alaska und die Wiederaufnahme von Gaslieferungen über Nord Stream.
Weitere Vorschläge betreffen die Lockerung von Sanktionen gegen russische Kali-Düngemittel sowie eine US-amerikanische Verwaltung des Kernkraftwerks Saporischschja, dessen Strom zwischen Russland und der Ukraine aufgeteilt werden könnte.
Europäische Diplomaten lehnen eine Lockerung der Russland-Sanktionen vor Kriegsende ab. Bundeskanzler Friedrich Merz schloss eine Wiederaufnahme von Nord Stream 2 aus. Trotz fehlender Anzeichen für eine Einigung hoffen die USA, bei den für nächsten Monat geplanten Dreiergesprächen mit Russland und der Ukraine in Abu Dhabi Fortschritte zu erzielen. Im Mittelpunkt der ersten Gespräche dieser Art seit Februar sollen Sicherheitsgarantien für beide Länder nach Kriegsende stehen.
Die USA haben bereits ein Abkommen über den Import von russischem Dieselkraftstoff geschlossen, neue Sanktionen gegen Moskaus Energieexporte vorerst ausgesetzt und die Ukraine unter Druck gesetzt, die Drohnenangriffe auf russische Raffinerien einzustellen.
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