Unions-Kandidatin für Steinmeier-Nachfolge: Es läuft auf Ilse Aigner hinaus

In der Frage um die Nominierung einer Unionskandidatin für das Bundespräsidentenamt kristallisiert sich eine Favoritin heraus: Medienberichten zufolge soll Ilse Aigner das Rennen machen. Die Kandidatur der CSU-Politikerin wäre eine weitere Niederlage für den Bundeskanzler.

Eine Frau sollte es diesmal sein, die die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übernimmt. Darin waren sich die bundesdeutschen Machteliten weitgehend einig. Als stärkste Fraktion im Bundestag beansprucht das Parteienbündnis von CDU und CSU dem parlamentarischen Brauch gemäß das Erstvorschlagsrecht. Doch welche Politikerin sollte es sein? Es fielen Namen wie Julia Klöckner, Annegret Kramp-Karrenbauer und Karin Prien (alle drei CDU).

Bereits im April dieses Jahres hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder die CSU-Politikerin Ilse Aigner ins Spiel gebracht. Aigner fungiert im Maximilianeum als bayerische Landtagspräsidentin. Ihre Wahl bei der Bundesversammlung am 30. Januar 2027 wäre eine doppelte Premiere: Erstmals wäre eine Frau und zugleich eine bayerische CSU-Politikerin deutsches Staatsoberhaupt (auf den in Landshut geborenen Roman Herzog trifft dies als CDU-Mitglied nicht zu).

Söders Vorschlag fand durchaus Anklang, auch bei anderen Parteien. Der Koalitionspartner SPD bekundete, die Kandidatur der 61-jährigen Systemelektrikerin für Hubschrauber unterstützen zu wollen. So zitiert die Tagesschau SPD-Chef Lars Klingbeil mit den Worten, Aigner sei eine "wahnsinnig integrative Kraft" zu eigen, die Deutschland derzeit benötige: "Das ist eine sehr volksnahe Politikerin, die redet mit den Menschen auf Augenhöhe, das ist total wichtig." Sollte sich die CDU bei ihrer Präsidiums- und Vorstandssitzung am kommenden Montag auf Aigner einigen, dann habe die gebürtige Oberbayerin die Unterstützung der SPD.

Und auch bei den Grünen gibt es Aigner-Unterstützer. Der baden-württembergische Ministerpräsident Cem Özdemir erklärte der Deutschen Presse-Agentur zufolge: "Gerade wenn die Gräben im Land tiefer werden, brauchen wir eine Persönlichkeit, die Brücken baut und Menschen zusammenführt." Aigner sei bodenständig, habe ein Gespür für die Sorgen der Menschen und spreche deren Sprache.

Doch ausgerechnet der Bundeskanzler und CDU-Parteivorsitzende Friedrich Merz wollte sich – so der Eindruck der bundesdeutschen Medienlandschaft – nicht so richtig mit einer Unionskandidatin Aigner anfreunden. Bei seinem Besuch beim CSU-Parteitag Ende Oktober in München ließ er die Gelegenheit verstreichen, die Nominierung Ilse Aigners zu verkünden.

Stattdessen tauchte in den folgenden Tagen der Name einer weitgehend Unbekannten, der der hessischen CDU-Fraktionsvorsitzenden Ines Claus nämlich, in den Medien auf. Claus galt nun auf einmal als Merzens Wunschkandidatin.

Ein Vorgehen, das offenbar etlichen CDU-Granden zu bunt wurde. Denn immer mehr CDU-Ministerpräsidenten (nicht nur ihr bayerischer Landsmann Söder) plädierten einem Bericht des Tagesspiegels zufolge nunmehr offen für Aigner als Kandidatin, allen voran die ostdeutschen CDU-Länderchefs. Aber auch aus den westdeutschen Landesverbänden sollen Unterstützungssignale für Aigner gekommen sein.

Einen Tag später, am vergangenen Freitag, berichteten daraufhin die Süddeutsche, der Spiegel und die Tagesschau übereinstimmend, die Entscheidung sei gefallen, Aigner habe das Rennen gemacht. Die CDU-Spitze werde sie bei ihrer montäglichen Sitzung als Kandidatin nominieren. Damit hätten sich Söder und die anderen CDU-Länderfürsten gegen Kanzler Merz durchgesetzt.

Ob eine Bundespräsidentin Aigner wirklich als Versöhnerin in die gespaltene deutsche Gesellschaft hineinwirken kann, ist angesichts ihrer politischen Vergangenheit durchaus fraglich. In ihrer Amtsführung als bayerische Landtagspräsidentin erwies sich die CSU-Politikerin durchaus als konfrontativ, sowohl was die Durchsetzung der von ihr in Corona-Zeiten über das Maximilianeum verhängten Maskenpflicht betraf als auch im Umgang mit der Oppositionsfraktion AfD.

Auch in der Ukraine ließ sich Aigner schon blicken. Ihren Besuch im Juni 2025 werteten einige Beobachter schon damals als Signal, dass sie nach höheren Ämtern auf Bundesebene streben könnte. Bei ihrem Solidaritätsbesuch in Kiew und Butscha äußerte die Landtagspräsidentin damals ihre Bewunderung für die "Widerstandskraft der ukrainischen Bevölkerung" und erklärte: "Die demokratische Ukraine darf nicht besiegt werden!"

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