Kigonze ist ein Lager für Binnenvertriebene am Stadtrand von Bunia, der Hauptstadt der Provinz Ituri im Osten des Landes. Es handelt sich um eine Region, die gerade in besonderem Maße von der im Kongo aufgetretenen Ebola-Epidemie betroffen ist.
Wie die Nachrichtenagentur Reuters meldet, sind Tausende Menschen aus dem Lager geflohen, nachdem Soldaten das Gelände durchsucht hatten. Die kongolesischen Sicherheitskräfte hatten dort nach Waffen gesucht. Daraufhin war es zu Kämpfen und Bränden im Lager gekommen. Mehr als 19.000 Binnenvertriebene sollen geflohen sein, schilderte der UN-Chefkoordinator für Ebola, Julien Harneis, die Lage. Das Ganze soll sich am vergangenen Dienstag abgespielt haben.
Diese schwere humanitäre Krise verschärft sich zusätzlich durch den Umstand, dass Reuters-Informationen zufolge schon mehrere Menschen in dem Lager an Ebola verstorben sind. Bis zu 1.000 Ebola-Kontaktpersonen sollen sich in dem Flüchtlingslager befunden haben, nur ein Fünftel von ihnen konnte bisher ausfindig gemacht werden, zitiert Reuters eine Quelle. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk bestätigte demnach Ebola-Todesfälle in Kigonze. Außerdem könnte die Zahl der Ebola-Opfer höher sein als bisher angesetzt.
Das Risiko einer weiteren Ausbreitung der Krankheit hat sich auch dadurch erhöht, dass UN-Angaben zufolge auch ein sogenanntes Ebola-Transitzentrum, also eine Art Quarantänelager, niedergebrannt worden sein soll. In dem Transitzentrum konnten bisher Verdachtsfälle isoliert, getestet und behandelt werden.
Ebola-Koordinator Harneis zeigte sich gegenüber UN News entsetzt über den Brand: "Es war ein enormer Kampf, Ebola-Transitzentren und Ebola-Behandlungszentren einzurichten; es erforderte Geld, die Einstellung von Personal , und es war ein Kampf im gesamten Osten. Wenn wir also ein Zentrum verlieren, bedeutet das einen Kapazitätsverlust, einen Investitionsverlust und einen Neustart. Und vor allem bedeutet es, dass die Menschen keinen Zugang zu der dringend benötigten Versorgung erhalten."
Zumal die Hiobsbotschaften nicht abreißen: Denn auch aus dem ebenfalls in Ituri gelegenen Flüchtlingslager Rhoe im Gebiet Djugu mussten am 27. September mehr als 3.000 Menschen fliehen, nachdem dort die Kämpfe wieder aufgeflammt waren.
Für den gleichen Zeitraum melden die Vereinten Nationen den Tod zweier Gesundheitsmitarbeiter, die an der Bekämpfung von Ebola beteiligt waren, in der Nachbarprovinz Nord-Kivu. Dort war es ebenfalls zu gewaltsamen Auseinandersetzungen gekommen.
Erst vor rund zwei Wochen hatte sich ein Gewaltakt ereignet, der zeigt, unter welchen Schwierigkeiten die Bekämpfung von Ebola in der Demokratischen Republik Kongo vonstattengeht. Berichten seiner Partei zufolge prügelten wütende Anwohner Marie-Celestin Karondwa, einen hochrangigen Vertreter der im Kongo regierenden UDPS (Union pour la Démocratie et le Progrès Social) zu Tode, nachdem er im Radio über die Epidemie aufgeklärt hatte. Der Gewaltausbruch ereignete sich in Butembo im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo.
Die beiden Vorfälle fallen in eine Zeit, in der es zwar erste Erprobungen von Impfstoffen und Behandlungsmethoden gegen die Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gibt, die Krankheit jedoch noch nicht unter Kontrolle ist. Während in der Provinz Ituri, wo die ersten Ebola-Fälle im Mai 2026 bekannt wurden, die Anzahl der Erkrankungen in jüngster Zeit zurückging, gab es in der Nachbarprovinz Nord-Kivu einen erheblichen Anstieg der Fälle.
Derzeit sind über 8000 Fälle von Ebola im Labor nachgewiesen worden, fast 4000 Menschen sind an dem hämorrhagischen Fieber verstorben. Die Bekämpfung der ansteckenden Virus-Erkrankungen wird im Kongo durch die Armut des Landes und die Kämpfe verschiedener bewaffneter Gruppen erschwert. Insbesondere die Nachverfolgung von Kontakten der Ebola-Kranken, die sich ebenfalls infiziert haben könnten, bleibt problematisch.
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